Stromausfall im Südwesten Berlins
Zehntausende Menschen sind weiter ohne Strom. Krisenexperte Albrecht Broemme erklärt, was dahintersteckt und was jetzt wichtig ist.
Zehntausende Menschen sind weiter ohne Strom. Krisenexperte Albrecht Broemme erklärt, was dahintersteckt und was jetzt wichtig ist.
Ein großflächiger Stromausfall betrifft weiterhin den Südwesten Berlins. Auch mehrere Tage nach dem ersten Ausfall sind zehntausende Menschen noch immer ohne Strom. Haushalte, Geschäfte und Einrichtungen sind eingeschränkt, die vollständige Wiederherstellung der Versorgung wird nach aktuellem Stand erst im Laufe des Donnerstags erwartet.
Vielleicht bist auch Du direkt betroffen – oder hast Dich gefragt, wie so etwas in einer Großstadt überhaupt passieren kann. Wie stabil ist unsere Stromversorgung? Und wie gut sind wir auf solche Situationen vorbereitet?
Um das einzuordnen, haben wir mit Albrecht Broemme gesprochen. Er war viele Jahre Präsident des Technischen Hilfswerks und bringt viel Erfahrung aus dem Krisenmanagement mit. Seine Einschätzungen helfen, die Lage nüchtern einzuordnen – ohne Panik, aber mit klarem Blick auf die Realität.
Digitalisierung hat Vorteile, sagt Broemme – aber auch klare Nachteile. Heute könnten sich sogar Täter oder Laien Informationen besorgen, die nicht in öffentliche Hände gehören. Er beschreibt Szenarien, wie man Berlin theoretisch über längere Zeit lahmlegen könnte, und hält den ausgelösten Katastrophenalarm für richtig.
Broemme fordert, nicht mehr alle Stromleitungen und Verbindungswege detailliert online zu zeigen. Außerdem sollten besonders anfällige Stellen besser überwacht werden – zum Beispiel mit moderner Videoüberwachung, um früh eingreifen zu können.
Für Broemme ist klar: Jetzt braucht es „Lessons learned“. Ein deutlich kürzerer Ausfall wäre kaum möglich gewesen, weil die Reparatur sehr komplex ist. Kritisch sieht er vor allem die Information der Bevölkerung, wenn Menschen ohne Strom ausgerechnet auf Internetseiten verwiesen werden.
Insgesamt sagt Broemme: Das Notfallmanagement ist gar nicht so schlecht gelaufen. Gleichzeitig macht er auf Probleme für Haustiere und besonders schutzbedürftige Menschen aufmerksam. Sein Appell bleibt: Nachbarn helfen Nachbarn – das klappt in Berlin oft gut.
Broemme lobt, dass Berlin Netz noch eigene Entstörungstrupps hat. Trotzdem könne vor Ort immer nur ein kleines Team arbeiten, bei Kälte und unter schwierigen Bedingungen. Die Aussage „bis Donnerstag“ sei keine schöne, aber eine ehrliche Nachricht gewesen.
Albrecht Broemme war viele Jahre Präsident des Technischen Hilfswerks und zuvor Leiter der Berliner Feuerwehr. Er war für zahlreiche Einsätze bei großen Schadenslagen verantwortlich und gilt als erfahrener Experte für Krisen- und Katastrophenschutz. Auch im Ruhestand wird er regelmäßig zu aktuellen Lagen gehört.
Der Stromausfall im Südwesten Berlins zeigt, wie abhängig unser Alltag von funktionierender Infrastruktur ist. Gleichzeitig macht die Einordnung von Albrecht Broemme deutlich: Solche Situationen lassen sich bewältigen – mit Vorbereitung, klaren Abläufen und guter Information.
Für Berlin heißt das: Stromausfälle können auch in Zukunft auftreten. Umso wichtiger ist es, aus der aktuellen Lage zu lernen und die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.