Das Internet der nahen Zukunft

Diese Neuerungen erwarten uns

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Sie haben das Gefühl, dass die Digitalisierung ständig und überall rapide Entwicklungen vorantreibt oder in Gang setzt, dass sich aber in Sachen Internet irgendwie nichts mehr tut? Dass außer den Phänomenen, die das Internet hervorbringt, die Technologie selbst stehengeblieben ist? Weil surfen nun einmal surfen ist und es spürbar keine Neuerungen gibt? Dann irren Sie gewaltig! Zwar bekommt der durchschnittliche Internetnutzer, wenn er sich denn nicht gerade gezielt informiert, kaum mit, wie Entwickler und Visionäre das Internet anpassen und verbessern. Doch das Internet verändert sich zu jeder Zeit und schon in naher Zukunft sind einige spannende Neuerungen zu erwarten.

Wenn das Fernsehen untergeht

Fast in jedem privaten deutschen Haushalt steht heute ein TV-Gerät. In 85% der Fälle ist unter den Geräten ein Flachbildfernseher und es kann davon ausgegangen werden, dass einige davon Smart-TVs sind, die über einen Internetzugang verfügen. Und über die somit auch Internetdienste, wie Serien und Filme von Video-on-Demand-Anbietern gestreamt werden können.

Das Fernsehen unterscheidet sich heute also schon ganz eindeutig vom Fernsehen von früher. Das traditionelle Fernsehprogramm scheint fast schon eine untergeordnete Rolle zu spielen. Gefragt sind große Streaminganbieter und gerne wird auch auf Online-Mediatheken zugegriffen, um sich nur ganz speziell Serien oder Filme herauszusuchen, die geschaut werden.

Noch dieses Jahr, so hört man immer wieder, soll unter anderem aus genanntem Grund und den Möglichkeiten des Smart-TVs das Internet das Fernsehen "überholen". Die Medienagentur Zenith errechnete bereits Mitte 2018, dass Menschen das Internet im Jahr 2019 durchschnittlich 170,6 Minuten täglich nutzen werden. Mit klassischem Fernsehen dagegen sollen Menschen nur noch 170,3 Minuten verbringen. Der errechnete Unterschied ist zwar nicht gravierend, dennoch ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte sowohl des Internets, als auch des Fernsehens.

Der Anstieg des Internetkonsums, der voraussichtlich anhalten wird, lässt sich vor allem auch durch die Verbreitung mobiler Endgeräte und dem wachsenden Angebot sinnvoller Apps erklären. Fast auf jedem herkömmlichen und erschwinglichen neuen Smartphone der letzten Jahre lassen sich Videos jeglicher Plattformen und Streaminganbieter auch unterwegs abrufen. Alleine ein Viertel des Medienkonsums erfolgt heute schon über das mobile Internet.

Viel mehr Geschwindigkeit im deutschen Kabelnetz

Genauso wie sich Menschen in privaten Haushalten oft über langsames Internet beklagen, wenn etwa gleichzeitig ein Film gestreamt und große Dateien aus dem Netz geladen werden sollen, tun das vor allem auch Unternehmen. Überall wünscht man sich leistungsfähigeres Internet, allerdings scheint sich seit Jahren nichts mehr zu tun.

Doch der Bedarf an schnellerem Internet könnte bald mittels Breitbandausbau gedeckt werden. Das Bundeskabinett hat dazu vergangenes Jahr 2018 einen Gesetzesentwurf gebilligt, mit dem ein Sondervermögen namens "Digitale Infrastruktur" geschaffen werden soll. Die 2,4 Milliarden Euro, die das Starvolumen bilden, sollen für den Breitbandausbau dienen und wohl vor allem auch die Digitalisierung vieler Schulen verstärken.

Sollen etwa deutsche Haushalte aber genauso schnelles Internet bekommen, wie jene in der Schweiz, müsste mehr Geld her. Denn die Glasfaserkabel, mit denen Highspeed-Surfen ermöglicht wird, müssten direkt an privaten Gebäuden oder in jenen Gebäuden nachgerüstet werden. In Deutschland stehen die Verteilerkästen teilweise mehrere hundert Meter von den Gebäuden entfernt, wodurch keine so hohe Leistungsfähigkeit erzeugt werden kann. Solange jedoch niemand dazu bereit ist, mehrere Milliarden in den Ausbau von Glasfaserkabeln und in "Fiber to the Curb" – also die Verteilung bis direkt an den Bordstein, das heißt direkt vor die Gebäude – auszugeben, wird sich daran nichts ändern.

Da Deutschland hiermit allerdings nicht nur europa-, sondern sogar weltweit hinterherhinkt, dürfte es auch nicht verwunderlich sein, wenn wir in Zukunft eine Überraschung erleben und uns über das schnelle Internet doch noch freuen können. Zu schnellerem Internet trägt nämlich auch ein brandneuer Übertragungsstandard bei, mit dem etwa ab 2020 zu rechnen ist. DOCSIS 3.1 nennt sich jener Standard, mit dem Kabel-Provider Datenraten von bis zu 10 Gbit/s im Downstream sowie bis zu 1 Gbit/s im Upstream realisieren können – Zahlen, die für die meisten, "normalen" privaten Haushalte mit Internetanschluss heute noch ein wenig utopisch klingen.

Smartphone-Liebhaber dürften sich über den Mobilfunkstandard 5G, der vielleicht schon 2019 eingeführt wird, besonders freuen. fotolia.de © oatawa (#186820658)

Ein neuer Standard für den Mobilfunk

Ebenfalls 2020 oder vielleicht sogar schon dieses Jahr kann mit der Einführung eines neuen Mobilfunkstandards gerechnet werden. Nach 4G folgt dann 5G, die Technik der fünften Generation, die nicht nur eine sehr schnelle Datenübertragung (bis zu zehn Mal so schnell bisher) ermöglichen soll. Vielmehr soll 5G auch eine deutliche Stromersparnis pro Mobildienst ermöglichen. Um den Faktor 1000 soll der Stromverbrauch niedriger werden, als er es bislang ist. Außerdem sollen Latenzen von unter einer Millisekunde zu erwarten sein. Nicht ohne Grund vermuten viele Fachleute daher auch, dass die Einführung des neuen Mobilfunkstandards auch das Ende des WLANS mit sich bringen könnte.

An einer Beschleunigung des Mobilfunkstandards ist seit Langem vor allem auch die Industrie interessiert. Gerade das IoT – das Internet of Things, zu dem im nächsten Abschnitt noch mehr gesagt wird – dürfte von 5G profitieren. Es dürften neue Möglichkeiten entstehen und die vernetzte Produktion könnte noch einmal einen ordentlichen Schub bekommen. Lassen Netzwerktechniken, wie 5G dagegen noch eine Weile auf sich warten, werden Dinge wie das maschinelle Lernen noch eine ganze Zeit am Anfang ihrer Entwicklung stehenbleiben.

Praktisch ist, abseits von hohen Geschwindigkeiten und einem gleichzeitig vorhandenen niedrigeren Stromverbrauch auch, dass der neue Mobilfunkstandard moderne Übertragungen fördert. So können winzige Sensoren in Geräte verbaut werden, die ebenfalls winzige Daten mit großen Pausen dazwischen senden und empfangen. Das Netz kann außerdem "geslicet" werden, wie es im Fachjargon heißt – also in viele einzelne Leitungen zerschnitten werden. Diese einzelnen Slices wiederum können im Zusammenhanf mit dem IoT hilfreich sein.

IoT – bald kein Fachbegriff mehr

Das Internet der Dinge ist den meisten Menschen heute vor allem durch Entwicklungen etwa im Bereich der Smart Homes bekannt. Kommunizieren Haushaltsgeräte und Technologien, die im, am und um das Haus verbaut sind, auf intelligente Art und Weise miteinander, wird hier das IoT produktiv und sinnvoll genutzt und definiert sich damit auch von selbst. Die Zahl der Geräte, die miteinander verknüpft sind, wächst rapide. Mehrere Milliarden Geräte sind es schon und täglich kommen neue hinzu. Mehr Geräte benötigen natürlich auch mehr Internetkapazität, weshalb der Standard 5G dem IoT in die Karten spielt. Wichtig wird sein, für mehr Sicherheit innerhalb dieser digitalen Infrastruktur der verknüpften Geräte zu sorgen. Denn zurzeit sind die im IoT miteinander in Verbindung stehenden Geräte noch sehr anfällig für Hacks und haben eine Menge Sicherheitslücken. Es ist zu erwarten, dass in naher Zukunft Systeme eingeführt werden, die zur Datensicherung und zu einer generellen Überwachung der Netzwerke beitragen. In drei Bereichen dürften wir damit rechnen, dass sich das IoT bald schon schneller, als wir schauen können, verbreitet:

  1. In Innenstädten, wo smarte Gebäude und Maschinen bald schon deutlich spürbarer zum Einsatz kommen könnten, als bisher. Kleine Sensoren etwa können in naher Zukunft und ermöglicht durch den neuen Mobilfunkstandard beispielsweise stets die Temperatur oder Aktivitäten im Bereich des Bike- oder Carsharings messen. Diese Daten wiederum könnten dazu beitragen, dass wir uns einen saubereren und komfortableren Lebensraum schaffen.

  2. In der Industrie und Medizin ist das IoT schon eine wichtige Technologie. Von Sensoren, über Scanner, bis hin zu RFID-Tags sind Geräte vorhanden, die wild miteinander kommunizieren. Das Zeitalter der automatisierten und robotergesteuerten Prozesse ist voll im Gange. Hinsichtlich des Einsatzes in der Medizin, die von der IoT-Technologie auch noch deutlich mehr profitieren kann, muss sich vor allem noch intensiver mit den Risiken und Sicherheitslücken des IoTs auseinandergesetzt werden.

  3. Auch die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander dürfte sich dank und mit Hilfe des IoT in naher Zukunft weiter verbessern und schnell entwickeln. Betrachtet man sich neuere Automodelle, ist das Potenzial der Technologie schon ganz deutlich erkennbar.

Die Blockchain lässt sich nur als Grafik visualisieren. Denn sie existiert in digitaler Form aus kontinuierlich erweiterbaren Datensätzen, die mittels kryptographischer Verfahren sicher miteinander verkettet sind. fotolia.de © denisismagilov (#193545416)

Blockchains und unsere Daten

Eine der Technologien, die für eine verstärkte Sicherheit unserer Daten im Internet sorgen könnte und vermutlich sorgen wird, ist die Blockchain. Sie besitzt das Potenzial, massiv zum Schutz der Privatsphäre beizutragen und Identitätsprüfungen sicherer und risikofreier zu machen. Gerade wenn es darum geht, unbestechliche und gleichzeitig verschlüsselte Aufzeichnungen bereitzustellen, wird die Blockchain bereits von Unternehmen für derartige Zwecke hochgeschätzt und gebraucht.

Allerdings kann uns etwa als Verbrauchern die Blockchain auch in ganz direkter Weise beispielsweise beim Einkaufen im Netz dienlich sein. So werden bislang in den meisten Systemen die Kaufhistorien der einzelnen Käufer gespeichert und von großen Unternehmen genau geprüft und geteilt. Mit Hilfe der Blockchain jedoch lassen sich auch Profile für Nutzer erstellen, welche das Sammeln und Weitergeben der persönlichen Informationen nur auf die Personen beschränkt, die eigenständig vom Verbraucher dafür freigegeben wurden. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass die wenigsten Menschen die Blockchain, wenn sie denn noch unbekannter ist, von sich aus verlangen werden. Unternehmen werden vielmehr die Verantwortung übernehmen müssen, den Übergang zu diesem System voranzutreiben.